Archive for August 2014

 
 

Praia de Meco 3

Eine schwarze Monsterwelle kam auf den Strand zugerast, wurde größer und größer. Das brausende Wasser überrollte Menschen, Liegen, Sonnenschirme, jagte donnernd in Richtung Strandpromenade. Riss alles mit, was ihr in den Weg kam, auch die Schreie der Menschen.
Stöhnend fuhr er hoch. Er starrte in die Dunkelheit. »Querido, was hast du?«, eine besorgte Stimme, die kühle Hand seiner Frau. »Hast du schlecht geträumt?«
Der Jugendstaatssekretär Emidio Guerreiro wälzte sich aus dem Bett. Erst hatte er stundenlang wachgelegen, sich von einer Seite auf die andere gedreht. Dann kamen die Abträume. Er murmelte Unverständliches, nahm die nass geschwitzte Bettdecke und das zerknüllte Kopfkissen unter den Arm und schlich nach nebenan ins Gästezimmer.
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Praia de Meco 2

Ja, ja, ja, tragisch, tragisch, tragisch. Egal, welche Zeitung man aufschlägt. ich kann das heuchlerische Geschrei nicht mehr hören. Als hätten diese schreibenden Schmierfinken eine Ahnung, was tragisch bedeutet. Unschuldig schuldig werden: Wer ist hier unschuldig schuldig geworden? Ich – als Rektor der Universität? Das gestörte Kerlchen, das den »Dux« spielte und sich nun heulend bei seinen Eltern verkrochen hat? Er habe das nicht gewollt, ist das einzige, was man aus ihm herausbekommt. Und jetzt das Geschrei, die Aufnahmerituale zu verbieten. Verbieten ist ja immer gut, das ist einfach, kommt gut an, beruhigt die Volksseele und kostet nichts.
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Initiationsrituale – Praia de Meco

 

Der Wind blies ihr ins Gesicht, als sie aus dem Haus trabte. Weißliche Atemwolken vor ihrem Mund. Jeannette zog die Kapuze hoch, das Wolltuch vors Gesicht. Bleich und rund hing der Mond über dem Meer, immer wieder verdeckt von jagenden Wolkenfetzen. Nur wenige Grade über null. Keine gute Idee, das warme Bett zu verlassen, um in den Dünen zu joggen, auch wenn die Stirnlampe einen schwachen Schein warf, der die Konturen des Pfades vor ihren Füßen ein wenig trittsicherer machte. Sie hatte nicht einschlafen können. Gerhard hatte an diesem Wochenende keinen Bereitschaftsdienst. Sie solle doch mal ausspannen, hatte er gesagt, ihr angeboten, sich um die beiden Jungs zu kümmern. Der FC Porto spielte gegen Benefica Lissabon. Eine gute Gelegenheit.
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Um nicht zu vergessen

Den alten Plunder wollte sie nicht. Widerwillig zog Eva-Maria die zerknitterte Bettwäsche, die verwaschenen Handtücher aus den geöffneten Schränken. Morgen würde das Entrümplungsunternehmen kommen. Die Schränke, Tische, Stühle, das alte durchgesessene Sofa, das quietschende Bett, das der Vater nach dem Tod der Mutter durchgesägt hatte, die abgetretenen Teppiche und all die anderen Überbleibsel eines fast 80-jährigen Lebens würden unter der Plane eines Kleinlasters verschwinden. Auf Nimmerwiedersehen. Nein, sie konnte nichts brauchen in ihrer großen hellen Wohnung mit den modernen Designermöbeln. Nein, auch nicht zur Erinnerung.
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Die sind weisungsgebunden

Erst drohen sie mir mit Ordnungsgeld, jetzt sogar mit Haft. Uneidliche Falschaussage. So ein Unsinn. Und dabei geht es zum dritten Mal um diesen Schwarzen, diesen Drogenheini mit dem unaussprechlichen Namen. Der schluckt Kokainkügelchen und wundert sich, warum dann Brechmittel eingesetzt werden.  An die Opfer denkt keiner, nur immer an die Täter. An wie viele Kinder hat er denn auf dem Schulhof Drogen vertickt? Ist unseren Gutmenschen ja egal. Hauptsache,  der Täter kommt frei. Schwere Kindheit, jaja, Flüchtling aus Sierra Leone, wie schrecklich. Die können ja gerne kommen, wenn sie sich an unsere Gesetze halten. Niemand hat den gezwungen, Drogen zu verkaufen. Höchstens die eigenen Leute. Die verdienen sich dann goldene Nasen.
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Ich bin Künstler

Claude geht zum Küchenschrank, nimmt eine halbvolle Flasche Chivas Regal heraus. Er schüttet die gelbbraune Flüssigkeit in ein Glas, randvoll, zündet sich eine Zigarette an, inhaliert. Vor ihm auf dem Küchentisch liegt der Brief mit dem Absender der JVA. Der junge Mann lässt sich auf den Küchenstuhl fallen, reißt den Umschlag auf.
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Soll das schon alles gewesen sein?

… ist ja auch wirklich nett von ihm mir eine Auszeit zu geben geht einem ja auch auf den Geist das ewige Hausfrauen- und Muttersein obwohl es lässt sich aushalten hier an der Algarve das Wetter ist prima auch im Winter das Licht über Lissabon ein Traum und dann die Wochenendpartys in Cascais unter den blühenden Bougainvilleas und mit rotem Borba im Glas wenn die Portugiesen uma casa portugesa singen da geht mir das Herz auf wirklich Fado macht mich ganz verrückt Amelia und so aber ich werde in einem Jahr fünfzig und soll das schon alles gewesen sein
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Natascha hieß sie

Er war glückselig, wenn am Heiligen Abend der Weihnachtsmann klingelte. Die Kinder in der Schule verlachten ihn und sagten, einen Weihnachtsmann gebe es gar nicht. Wahrscheinlich habe sich nur sein Papa verkleidet oder sein Onkel. Er schluckte und sagte nicht, dass er keinen Papa und keinen Onkel hatte und allein mit seiner Mama in einer kleinen Zwei-Zimmerwohnung lebte. Aber sein Berufsziel stand fest, er wollte Weihnachtsmann werden und mit einem großen Sack von Tür zu Tür ziehen, um den Kindern Geschenke zu bringen.
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