Archive for the Category Kindergeschichte

 
 

Vater und Sohn

Ein Vater holt seinen 5-jähringen Sohn Linus vom Kindergarten ab

 

Linus: Papa, guck mal, das schwarze Auto da vor dem Haus. Ist da ein Opa drin? In der Kiste?

 

Vater bleibt verblüfft stehen: Wie kommst du denn darauf, Linus? Welche Kiste und warum sollte da ein Opa drin sein?

 

Linus: Weil unser Opa auch in eine große Kiste gekommen ist, als er gestorben ist. Und die Kiste haben die Männer mit den schwarzen Hüten auch in so ein langes Auto geschoben.

 

Vater streicht dem Jungen über den Kopf: Du hast recht, Linus. Das war ein Leichenwagen, und die Kiste war ein Sarg, und Opa wurde in den Sarg gelegt und zum Friedhof gefahren.

 

Linus: Und dann hat man die Kiste mit Seilen in die Grube hinuntergelassen und alle haben Blumen hinterhergeworfen und geweint. Aber vorher durfte Opa noch in dem großen schwarzen Auto fahren. Pause: Papa, was ist eine Leiche?

 

Vater: Das habe ich dir doch schon erklärt. Eine Leiche ist ein toter Mensch. Jemand, der gestorben ist.

 

Linus: Und Opa ist gestorben, weil er schon so alt war. Und jetzt ist er im Himmel beim lieben Gott, nicht wahr? Aber warum ist in dem schwarzen Auto dort drüben kein Sarg drin? Ist das Auto nicht groß genug?

 

Vater: Doch, doch, es ist ein Mercedes der S-Klasse und extra lang.

 

Linus: Aber, Papa, warum ist der Mercedes so lang, wenn da kein Sarg drin ist?

Vater: Weil das kein Leichenwagen ist!

 

Linus: Und warum ist das kein Leichenwagen?

 

Vater: Weil der Wagen keine Leichen transportiert. Er gehört einem Privatmann, der gern einen langen, schwarzen Mercedes fährt.

 

Linus: Aber das Auto könnte auch eine Leiche transportieren, nicht wahr?

 

Vater: Aber der Mann, dem das große Auto gehört, will bestimmt keine Leichen transportieren. Er will nur einfach in dem Auto herumfahren und die Leute staunen lassen, dass er sich einen so teuren Wagen leisten kann.

 

Linus: Ach so, deshalb will er ein so großes Auto haben. Willst du auch so eins haben, Papa? Dann würden die Leute auch staunen.

 

Vater: Nein, will ich kein so großes Auto haben. Erstens haben wir gar nicht so viel Geld und könnten so ein großes Auto gar nicht bezahlen. Und außerdem brauchen wir auch kein so großes Auto. Wir sind doch nur drei Leute: du, Mutti und ich!

 

Linus: Und das neue Baby. Mutti hat doch gesagt, ich bekomme bald einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester. Papa, ich will aber lieber einen kleinen Bruder! Im Kindergarten spiele ich auch nur mit den Jungs. Die Mädchen sind so gemein. Sie machen immer alles kaputt, im Sandkasten die Burgen, die wir gebaut haben, sie treten auf die Autos und sagen, alle Jungs sind doof. Und dann kichern sie, auch wenn die Kindergärtnerin mit ihnen schimpft.

 

Vater: Man kann sich nicht aussuchen, ob das Baby ein Junge oder ein Mädchen wird. Aber du wirst sehen, auch eine kleine Schwester will bestimmt gern mit dir spielen. Du bist dann der große Bruder und sie wird stolz auf dich sein.

 

Linus: Wir brauchen auch kein größeres Auto. Auf den Rücksitz passt doch auch noch ein Kindersitz für meinen Bruder. Und dann – Seitenblick auf den Vater – können wir zusammen spielen.

 

Vater (murmelt): Oder mit der kleinen Schwester. (lauter) Aber du hast recht, wir brauchen kein größeres Auto. Wir passen alle in unseren VW.

 

Linus: Aber wenn du ganz viel Geld hättest, Papa, würdest du dir ein größeres Auto kaufen? So einen großen SUV? Oder einen Volvo-Geländewagen? Den fahren die Gangster im Fernsehen auch immer, wenn sie durch die Wüste rasen. Die sind schneller als die lahmen Polizeiautos.
(Pause)Und wenn einer von uns stirbt, passt auch ein Sarg rein.

 

Vater (erschrocken): Warum sollte einer von uns sterben? Wir sind doch alle noch jung.

 

Linus: Du nicht, Papa! Und Mama auch nicht! Sie stöhnt jetzt immer, wenn sie vom Stuhl aufsteht und sagt, die Beine würden ihr wehtun. Und schlafen tut sie auch nicht gut.

 

Vater: Das Baby ist ja auch schon ganz schön schwer und strampelt viel. Das tut Mama manchmal weh.

 

Linus: Und wenn das Baby da ist, sabbert es den ganzen Wagen voll. Oder krümelt mit den Keksen. Papa, wenn du genügend Geld hättest, dann würdest du doch auch so einen langen, schwarzen Mercedes kaufen, oder? Ich würde dir auch helfen, ihn sauberzumachen, wenn das Baby rumgeschmiert hat.

 

Vater: Das ist lieb von dir, Linus. Aber ich mag solch große Autos gar nicht. Und schon gar nicht schwarze Autos.

 

Linus: Warum nicht, Papa?

 

Vater: Das hast du doch gerade selbst gesagt, Linus. Sie sehen aus wie Leichenwagen. Solche Autos fährt man, um zu zeigen, was für einen tollen Job man hat und wie viel Geld man verdient. Die anderen Leute sollen gucken und neidisch sein. Angeber-Autos, eben!

 

Linus: Papa, Jan-Gabriels Papa hat ein großes silbernes Auto. Einen BMW. Und Jan-Gabriel sagt, ihr BMW wäre viel schneller als unser Golf. Stimmt das?

 

Vater: Das meine ich, Linus. Solche großen Autos fahren einige Leute nur, um zu zeigen, dass sie viel Geld haben. Oder sie tun so, als ob sie viel Geld hätten. Es gibt Männer, die ihre Frauen zum Putzen schicken, damit sie die Raten für so eine Luxuslimousine bezahlen können, hat mir die Frau von unserem Tankwart erzählt.

 

Linus: Was sind Raten?

 

Vater: Dann zahlt man das Auto nicht auf einmal, sondern in monatlichen Teilbeträgen. Vielleicht jeden Monat 1000 Euro, weil man das Geld für ein teures Auto gar nicht auf dem Konto hat.

 

Linus: Haben wir viel Geld, Papa? Mama sagt, wenn das Baby größer wird, brauchen wir eine größere Wohnung. Und sie sagt, eine große Wohnung kostet viel Geld.

 

Vater: Da hat Mama recht. Nein, wir sind nicht reich, aber mach dir mal keine Sorgen, unser Geld reicht. Und wenn das Baby in den Kindergarten geht, wird Mama auch wieder ein paar Stunden in der Grundschule unterrichten. Aber nicht, um ein größeres Auto zu kaufen.

 

Linus: Krieg ich dann ein großes Fahrrad? Das Kinderrad ist zu klein. Das kann dann mein Bruder haben.

 

Vater: Klar, du brauchst demnächst ein größeres Rad, wenn du in die Schule kommst. Der Schulweg ist zu weit zum Laufen. Aber vorher machst du einen Fahrradführerschein

 

Linus: Au ja, und dann kriege ich ein BMX-Rad?

 

Vater: Ja, vielleicht. Aber nicht, um anzugeben, sondern nur wenn du Lust hast, BMX-Training zu machen und Wettrennen zu fahren. Habe ich als Junge auch gemacht. War toll!

 

Linus: Au ja, auch auf dem Platz hier in Grohn? So über die Sandhügel rasen? Richtig mit Sturzhelm? Und Mama und du und das Baby stehen am Rand und klatschen, wenn ich gewonnen habe. Und wenn ich groß bin, werde ich Rennfahrer und kaufe mir ein Audi-Sportcoupé. Das ist richtig geil! Noch viel geiler als ein Leichenwagen.

 

Vater stöhnt: Da hast du recht. Aber jetzt sind wir erst einmal zu Hause. Mal sehen, was Mama gekocht hat. Komm, hast du auch so einen großen Hunger wie ich?

 

Linus: Papa, wie viel PS hat …?

Der Mann im Mond

»Hab`n Sie schon mal den Mann im Mond geseh‘n … « trällere ich gedankenverloren vor mich hin, den fünfjähigen Conny an der Hand. Die schwarze Mischlingshündin Chilly ist voraus gelaufen und schnüffelt ausgiebig an einem Baum. Da werde ich wohl die Plastiktüte brauchen, um ihr Häufchen aufzusammeln.. Finde ich immer noch ein ziemlich eklig.
Ein heller,  warmer Sommerabend. Ein bleicher Vollmond hängt am langsam dunkler werdenden Himmel. August, bayerische Sommerferien, zwei vergnügliche , wenn auch anstrengende Wochen im Babysitter-Modus. Lasse geht schon in die vierte Klasse, ist mit seinem Freund Maxi vorgerannt. Nachkömmling Conny ist ein wenig ängstlich, umklammert in der aufkommenden Dämmerung meine Hand.
Unbekümmert trällere ich das Liedchen weiter und versuche, den  amerikanischen Akzent von Gus Backus nachzuahmen., der jugendliche  Schmelz seiner Stimme will mir nicht gelingen. Der Kleine schaut mich prüfend an.
»Hast du schon mal den Mann im Mond geseh`n?«, verändere ich den Text und beuge mich zu dem kleinen Jungen hinunter. Conny schüttelt den Kopf.
»Nein! Du, Oma?«
Mit dieser Frage habe ich nicht gerechnet. »Nee, ich leider auch nicht!«
»Wohnt denn da einer?« Conny zeigt auf den fahlen Mond.
»Quatsch«, sagt Lasse, der plötzlich neben uns steht und auch in den Himmel schaut.
»Doch«, sagt Conny. »Da wohnt ein Mann im Mond, hat Oma gesagt. Ich will ihn besuchen.«
»Wenn, dann heißt der Mann Neil Armstrong«, sagt Maxi wissend. »Haben wir in der Schule gelernt. Neil Armstrong ist der erste Astronaut, der die Mondoberfläche betreten hat.«
»Was ist ein Anaut«, fragt Conny.
»Eben einer, den auf den Mond fliegt«, sagt der große Bruder.
»Und wohnt der jetzt da?« Conny schaut wieder hoch zu der blassen gelben Scheibe.
»Quatsch, der ist längst wieder unten auf der Erde.«, sagt Lasse. »Ein großer Schritt für die Menschheit.«.
»Ich mach auch große Schritte«, sagt Conny, wedelt mit den Armen, versucht, ein Bein weit vor das andere zu setzen, verliert das Gleichgewicht und fällt um.
Der große Bruderpackt ihn am Kragen, stellt ihn wieder auf die Füße.
»Nee, für Neil Armstrong war es nur ein kleiner Schritt von der Leiter der Mondfähre auf die Mondoberfläche. Aber er hat auch gesagt, dass es sei ein großer Schritt für die Menschheit war. Aber das verstehst du nicht.«
»Mein Papa hat gesagt, das war wegen dem Wettrüsten«, sagt Maxi. »Die Russen haben die Sputnik-Rakete ins Weltall geschickt. Sogar mit einer Hündin.
»Woher weißt du das?«, frage ich erstaunt. »Laika ist gestorben«, sagt Maxi und streichelt Chilly, die sich erwartungsvoll vor ihn gesetzt hat und wartet, dass er ein Stöckchen wirft.
»Laika hat die Beschleunigung und die Hitze nicht ertragen. Sie ist schon kurz nach dem Start gestorben.«
»Die Russen waren gemein«, sagt Lasse. »Aber heutzutage fliegen keine Hunde mehr mit. Die Amis schicken Menschen, richtige Astronauten, die können wenigstens entscheiden, ob sie fliegen wollen oder nicht. Unser Lehrer sagt, es hat 34 Milliarden Dollar gekostet, den Armstrong auf den Mond zu schicken.«
»Was hätte man mit dem Geld alles machen können«, mische ich mich ein. Halt die Klappe, denke ich, nicht Oberlehrerin spielen.
»Der Lehrer hat auch gesagt, dass es wichtiger ist, dafür zu sorgen, dass kein Kind auf der Welt mehr verhungert als zum Mond zu fliegen«, sagt Lasse.
»Haben die Anauten Schwerter?«, fragt Conny.
»Nein, glaub ich nicht«, sage ich.
»Dann will ich auch nicht Anaut werden«, sagt Conny. «Dann werde ich lieber Wikinger. Und fahre mit König Blauzahn nach Haithabu. Und kriege ein richtiges Schwert.«

 

Die Klingel

image004»Mama«, sagt Max-Emanuel und knabbert an seinen Nägeln.
»Nimm die Finger aus dem Mund«, sagt seine Mutter und schlüpft in den roten Mantel.
»Mama«, versuchte es Max-Emanuel noch einmal.
»Also, los. So wie du guckst – was hast du verbrochen?«
»Tja, ich weiß nicht so genau. Ich kann mein Mountainbike einfach nicht finden.«
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Familienurlaub

image005 In Deutschland war es windig und kalt,  aber auf den Kanaren scheint die Sonne. Über die hohen Berge ziehen weiße Schäfchenwolken. Strandwetter. Mama, Papa, Julian und Tommi sitzen auf der Terrasse im Ferienhaus und schauen aufs Meer. Der Atlantik hat  hohe Wellen, draußen sind Katzenköpfe zu sehen.
„Ich will baden“, sagt Julian und springt vom Frühstückstisch auf.
„Erst aufessen“, sagt Papa. „Das Müsli wird aufgegessen.“
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Oma ist weg

image002Die gläserne Tür zum Funbad öffnet sich automatisch. Ohrenbetäubender Lärm schlägt ihnen entgegen. Im Plantschbecken kreischen kleine Kinder, Jungs springen tarzanlike mit Gebrüll vom Drei-Meter-Brett. Die Wasserfontänen lassen die weibliche  Fan-Gruppe am Rand aufquietschen.
Max-Emanuel nimmt Omas Hand. «Komm, Oma, rutschen!»
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Schneller,Oma!

image003«Yipiih», brüllt Max-Emanuel, stößt sich ab, geht tief in die Knie, klemmt die Skistöcker unter die Arme und rast den Hang hinunter.
«Halt, nicht so schnell», schreit die Oma und steigt in ihre Ski. Klick und nichts wie hinterher. Ob es eine so gute Idee war, ihrem Enkelsohn zum sechsten Geburtstag ein Skiwochenende in den Bergen zu schenken?
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Carlotta

image006Mit einem großen Satz sprang Carlotta in den VW-Bus, der mit offener Schiebetür auf dem Hof geparkt hatte. Seit Wochen hatte sie beobachtet, dass Leute angefahren kamen, sich die Hunde im Zwinger anschauten, einen kleinen, niedlichen Mischling aussuchten, ihn ins Auto trugen und davonfuhren.
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Yusuf

Little small child  is looking at the giant legs of  businessman«Oma, Oma», schreit Max-Emanuel.  Mein vierjähriger Enkelsohn zerrt mir fast den Arm aus dem Schultergelenk.
«Nun sachte, sachte mit die alten Gäule. Was ist denn nun wieder los?» Ich bin in Eile. 
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Der Apfel

angefaulter ApfelPuh, war das ein hartes Spiel. Die Jungen vom SV Grambke haben ganz schön gefoult. Aber wir waren besser. Eindeutig. Und als Thomas mir in den letzten Minuten den Ball zugespielt hat, da stand ich frei und habe geschossen und „Tor“ haben alle geschrien. Und alle haben mich umarmt und wir sind vor Freude auf dem Rasen herumgehüpft.
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