Archive for the Category Allgemein

 
 

Ist das alles, was du zu sagen hast?

Cindy Sherman Collection – Weserburg
Bremen 19.5.18 – 24.2.19

Ein Mann läuft durch einen parkähnlichen Garten. Herbstlaub, braune Blätter auf abgeknickten grünen Sträuchern. Die schwarze Erde aufgerissen. Eine Gestalt auf dem Boden – halb Frau, halb Puppe. Der Mann bleibt abrupt stehen, starrt auf die Figur zu seinen Füßen.

Er: Großer Gott, Frau, bist du jetzt völlig übergeschnappt? Was treibst du da? Wenn dich einer so sehen würde.

Sie: Ist das deine größte Sorge? Dass mich jemand sehen könnte? Einer unserer spießigen Nachbarn?

Er: Hast du Drogen genommen oder was? Was soll das? Und dann dieser abartige Plastikarsch!


Den ganzen Beitrag lesen…

Der Strand von Trafalgar

 

Der Silberstreif der Sonne läuft direkt auf den Leuchtturm zu, wiegt sich auf dem grün-blau changierenden Wasser, überschlägt sich mit den winzigen weiß schäumenden Wellen, kriecht als helles Band über den Sand hoch hinauf auf die Düne und lässt den weißen Turm mit der Glaskuppel im spätnachmittäglichen Licht aufglühen.
Ich lasse mich auf dem silbernen Strahl bäuchlings Richtung Strand treiben, bleibe im Flachen liegen, lasse die Wellen über mich hinwegrollen, genieße die Massage auf dem Rücken. Wasser wie kühle Seide, wo habe ich das gelesen?
Der Leuchtturm von Trafalgar erhebt sich auf einer Düne, die als Zunge ins Meer ragt, bewachsen von hellgrünem Strandgras und dunkelgrünem, nadeligem Kieferngestrüpp und fleischigen Sukkulenten, die wohl seit Jahrhunderten verhindern, dass der Sand wegfliegt.
Den ganzen Beitrag lesen…

Landeanflug

Der Sinkflug durch die Wolken ist lang und ruckelig. Die beiden Flugbegleiter an Bord der Boeing 737 haben die letzten Kaffeebecher weggeräumt, den letzten Müll entsorgt. Die Passagiere hängen angeschnallt in ihren Sitzen und versuchen, durch die trüben Scheiben der Bullaugen das Neuenlander Feld, den schlängelnden Lauf der Weser, ein Stück Landebahn zu erkennen. Schlechte Sicht und Nieselregen hat der Copilot angesagt, also das typische Bremer Wetter, das die Gemüter aller eingefleischten Bremer Bürger aufhellt und ein Lächeln auf ihre Gesichter zaubert.
Den ganzen Beitrag lesen…

Über den Dächern von Istanbul

»Da hinten, da ganz am Rand in der Ecke, da ist ein Tisch frei. Schnell hin!« Ich schubse meinen Mann. Doch bevor wir unser Ziel erreichen, ist ein Pärchen vom Nebentisch aufgestanden, um den Platz zu erobern. Und wieder passiert das, was uns in unseren Istanbul-Tagen immer wieder sprachlos macht: die überwältigende Freundlichkeit der Türken. Der junge Mann sieht uns kommen, spricht ein paar Worte zu seiner Begleiterin, verbeugt sich höflich und weist mit der Hand auf den Tisch. »For you!« Wir wollen ablehnen, die Situation ist uns peinlich. Aber keine Chance, das Paar hat schon wieder an seinem alten Tisch Platz genommen. Wir bedanken uns überschwänglich. »çok tesekkür ederim!« Gut, dass wir wenigstens ein paar Brocken Türkisch gelernt haben. Wir können sie gut gebrauchen. Immer wieder.
Den ganzen Beitrag lesen…

Fahrt übers Marmarameer

 

Schon in der Straßenbahn zur Galaterbrücke ist sie mir aufgefallen, die hübsche Frau mit dem dichten, schwarzen Haar, den breiten Wangenknochen und den freundlichen Augen.
»Günaydin«, sagt der kleine Sohn neben ihr, lacht uns an. Die Mutter strahlt.
»Das hat er wahrscheinlich im Hotel aufgeschnappt«, sagt sie in akzentfreiem Deutsch und streicht dem Kleinen über die Haare. »Hast du gehört«, wendet sie sich an ihren Mann auf der anderen Seite des Mittelgangs. »Addi spricht türkisch! Muss er im Hotel gehört haben. Vielleicht hat einer der Kellner mit ihm geübt.«
»Sie sprechen kein Türkisch?«, frage ich.
»Nein, wir sind aus Hamburg.«
Ich muss wohl ungläubig geguckt haben.
»Na ja, ich bin in Hamburg geboren. Die Kinder auch. Aber ursprünglich kommen wir aus Albanien. Wir sind zum ersten Mal in der Türkei.«
»Wir auch«, sage ich. »Und wir wollen mit dem Schiff auf die asiatische Seite.«
»Da können wir ja zusammen fahren«, sagt die Frau. »Wissen Sie, wo die Schiffe ablegen?«
Den ganzen Beitrag lesen…

Kehrwieder Eck

Die Sonne ist durchgebrochen, hat sich aus den dunkel dahinjagenden Wolken hervorgekämpft und malt helle Flecke auf die Holzplatte. Wir sitzen am runden Bistrotisch und rühren in unserem Latte Macchiato. Bitter und süß schmeckt der Espresso, den wir mit einem Strohhalm durch die aufgeschäumte Milch schlürfen. Wir haben uns von den Landungsbrücken durch Wind und Kälte weitergekämpft zu diesem kleinen Lokal am Kehrwieder Eck, zu der Spitze der Speicherstadt, die hinausragt in das Hafengebiet. Die Scheiben des Cafés gehen hinunter bis zum Boden und die wenigen Gäste genießen einen freien Blick auf die Wuling im Hamburger Hafen.
Den ganzen Beitrag lesen…

Von Schwiegermüttern und Leierschwänzen

Das häusliche Leben der Menura ist außerordentlich friedlich und liebevoll…. Der Frau fällt die gesamte Verantwortung für den Hausbau und die Sorge um die Nachkommenschaft zu. Die Pflicht des Mannes ist es, den Nahrungsvorrat vor Eindringlingen zu schützen und seine Frau und seine Kinder zu belustigen und zu unterhalten.
Ambrose G.H. Pratt, Menura, prächtiger Vogel Leierschwanz, Berlin 2011, S. 57
Den ganzen Beitrag lesen…