Archive for August 2018

 
 

Der Strand von Trafalgar

 

Der Silberstreif der Sonne läuft direkt auf den Leuchtturm zu, wiegt sich auf dem grün-blau changierenden Wasser, überschlägt sich mit den winzigen weiß schäumenden Wellen, kriecht als helles Band über den Sand hoch hinauf auf die Düne und lässt den weißen Turm mit der Glaskuppel im spätnachmittäglichen Licht aufglühen.
Ich lasse mich auf dem silbernen Strahl bäuchlings Richtung Strand treiben, bleibe im Flachen liegen, lasse die Wellen über mich hinwegrollen, genieße die Massage auf dem Rücken. Wasser wie kühle Seide, wo habe ich das gelesen?
Der Leuchtturm von Trafalgar erhebt sich auf einer Düne, die als Zunge ins Meer ragt, bewachsen von hellgrünem Strandgras und dunkelgrünem, nadeligem Kieferngestrüpp und fleischigen Sukkulenten, die wohl seit Jahrhunderten verhindern, dass der Sand wegfliegt.
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Pechvogel

Mäxchen war ein nettes Baby, freundlich und still und – zur Freude seiner Mutter – unheimlich verfressen. Das Kerlchen blühte und gedieh.
»Nein, was sieht das Jungchen gesund aus«, sagte die Omi. »So ein nettes dralles Baby!«
Er lächelte alle an, schlief von Anfang an durch und machte nie Probleme, bis, ja bis seine Mutter ihn in der Kita anmeldete. Dort wurde er zum Liebling aller weichherzigen Erzieherinnen, so ein unproblematisches Kind gab es selten, so anhänglich und lieb, aber dann wurde immer deutlicher, dass die Sprachentwicklung hinter der gleichaltriger Jungen zurückblieb. Von den Mädchen ganz zu schweigen, die waren ihm Welten überlegen und lachten manchmal über ihn. Auch motorisch lief er nicht gerade zur Höchstform auf. Männchen malen, die Lieblingsaufgabe der freundlichen Kindergärtnerinnen, bei deren Interpretation sie ihre psychologischen Fähigkeiten schulen wollten, war für den Kleinen eine Tortur. Den Männchen fehlten entweder Arme oder Beine, der Kopf geriet viel zu groß oder zu klein. Und basteln wollte er auch nicht.
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