Archive for November 2012

 
 

Rovaniemi oder Wo der Weihnachtsmann wohnt

xmas1Menschenskinnas, wat kuckse denn so, Hans-Erwin? Brinkfriede sieht ungeduldig zu ihrem Mann hinüber. Haste nen Schock oder wat? Tut mich ja auch leid um dat kleene  Dierchen. Aber warum muss dat Muttadier auch mit die Kitzleins über die Landstraße rennen. Dat sollte et doch gelernt haben, in all die Jahre. Dat die Autos nich so einfach bremsen können. Wat, wir hätten halten sollen?  Tickse noch richtich? Die Polizei rufen? Und vlaicht  Strafe zahlen? Bisse noch bei Trost? Die sind doch selbst schuld, die Finnen. Sollen die doch ihre Wälder einzäunen. Is ja lebensgefährlich. Sei froh, dat man an unserm teuern Hyma nix sieht. Muss direkt unta de Räda gelaufen sein. War sicher sofort tot, dat arme Dier.
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Zustände wie im alten Rom

gladiators„Ich muss gehen, Liebes.“ Er küsste sie auf den schweißnassen Bauchnabel und rollte sich aus dem Bett. Magnus musste zur Arbeit. Er hatte eine Frau und zwei Kinder zu ernähren, und auch seine neue Geliebte Claudia erwies sich als äußerst anspruchsvoll.
„Schade“, seufzte sie und wand sich lasziv in den seidigen Laken. „Ich könnte noch mal.“
«Ich auch, Schatz», beeilte er sich zu erwidern, was glatt gelogen war. Er küsste sie flüchtig. „Morgen wieder.“
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Nein, danke

Atomkraftwerk Biblis vor der AbschaltungIch schrecke hoch. Ein auf- und abschwellender Heulton sticht in mein Trommelfell. Pause, dann ein erneutes Jaulen. Wieder Stille. Mit schweißnassen Händen ertaste ich den Radiowecker über meinem Kopf, drehe am Sendeknopf. Fernes Rauschen.
Mein Herz rast. Ich strampele die Bettdecke weg. Das Nachthemd klebt am Körper. Angespannt horche ich in die Dunkelheit. Nichts. Auch vom Kinderzimmer nebenan kein Laut. Ich dämmere weg. Wieder die Sirene.
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Vom Schreiben

Cuadernos de escrituraGlück gehabt, da ist noch ein Tisch frei, direkt in der ersten Reihe. Es ist Wochenmarkt in Freising, und an diesem sonnigen Samstagvormittag ist das Gedränge auf dem Marienplatz riesengroß. Ich lasse mich auf dem Korbstuhl nieder, zünde genüsslich eine Zigarette an, lege mein schwarzes Moleskine-Notizbuch mit dem ollen Gummibandverschluss auf den Tisch, krame in meinem Rucksack nach einem Kuli.
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Yusuf

Little small child  is looking at the giant legs of  businessman«Oma, Oma», schreit Max-Emanuel.  Mein vierjähriger Enkelsohn zerrt mir fast den Arm aus dem Schultergelenk.
«Nun sachte, sachte mit die alten Gäule. Was ist denn nun wieder los?» Ich bin in Eile. 
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Lourdes

Madonna di LourdesAuf dem Bahnsteig wimmelt es von Kranken und Behinderten. Ieva würde am liebsten die Flucht ergreifen. Weißgekleidete Pfleger hieven Rollstühle und Krankenbetten in die Waggons. Sie versucht, nicht hinzustarren. Ein ganzer Zug für die Osterwallfahrt von München nach Lourdes.
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Heimkehrer

radio vintageGroß war das Radio. Und schwer. Und nagelneu.
Der eckige Kasten stand im Wohnzimmer. Auf dem nierenförmigen Beistelltisch, dessen Resopalplatte er verkratzte, weil mein Vater ihn so häufig hin- und herrückte, um einen besseren Empfang zu bekommen, wie er behauptete, wenn er abends den Nachrichten lauschte.
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Bye, bye, love

 

Female Killerbee Royal python, ball python, Python regius

Da stehen sie auf ihren Terrakotta gefliesten Terrassen und glotzen sich die Augen aus dem Kopf. Crime-Time in der Luxus-Wohnanlage. Polizeiautos zwischen Fliederbüschen, Glyzinien und Goldregen. Dicke Streifenbeamte, die mit Gewalt die Tür zu Eingang Nr.10 aufbrechen. Ich bin unbemerkt mit dem Fahrstuhl in die oberste Etage gekommen. Die Tür zum Dachboden war zum Glück  auf. Mich kriegen sie nicht. Nie. Ich bin zu schlau für die. Zugegeben, den Kakadu zu vergessen, war ein Fehler.
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Der Apfel

angefaulter ApfelPuh, war das ein hartes Spiel. Die Jungen vom SV Grambke haben ganz schön gefoult. Aber wir waren besser. Eindeutig. Und als Thomas mir in den letzten Minuten den Ball zugespielt hat, da stand ich frei und habe geschossen und „Tor“ haben alle geschrien. Und alle haben mich umarmt und wir sind vor Freude auf dem Rasen herumgehüpft.
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Traumschiff

Auf hoher SeeNoch scheint die schräg stehende Augustsonne warm vom Himmel. Christina und ich hieven die Einkaufstüten an Bord der Yacht, die friedlich im dänischen Inselhafen Söby schaukelt. Die Schollen vom Kutter sind fangfrisch. Urlaubsende. Abschiedsessen.
«Der Hafenmeister hat eine Sturmwarnung mit Orkanböen für morgen Vormittag herausgehängt», sagt Gerald vom Vordeck her. Sorgfältig schließt er die Dose mit Klarlack und wäscht den Pinsel aus.
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