{"id":938,"date":"2015-03-20T19:58:30","date_gmt":"2015-03-20T17:58:30","guid":{"rendered":"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/?p=938"},"modified":"2016-01-31T12:26:12","modified_gmt":"2016-01-31T10:26:12","slug":"all-inclusive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/all-inclusive\/","title":{"rendered":"All-Inclusive"},"content":{"rendered":"<p>\u201cGeh noch zur Toilette, Alexander\u201c, h\u00f6re ich in der Flughafenhalle eine \u00e4ltere Frau zu ihrem Mann sagen. \u201cSonst musst du wieder im Flugzeug.\u201d<br \/>\n\u201cDu behandelst mich wie ein kleines Kind\u201d, knurrt der Gatte, macht sich aber brav auf den Weg. <!--more--><br \/>\nIch sitze an diesem fr\u00fchen verschneiten Februarmorgen im Hamburger Abflugsterminal und warte auf den Flug nach Antalya. Ein wenig wehm\u00fctig betrachte ich die grauhaarigen Paare um mich herum, die wohl ebenfalls von der Sehnsucht nach Sonne getrieben, ein Hotel an der t\u00fcrkischen Riviera gebucht haben. Nach einer missgl\u00fcckten Ehe lebe und reise ich gerne allein. Trotzdem kommt mir heute die Geschichte von Philemon und Baucis in den Sinn, jenem antiken Paar, das sich bis ins hohe Alter so innig geliebt hat, dass die G\u00f6tter den alten Leuten den Wunsch erf\u00fcllten, sie gemeinsam sterben zu lassen, sodass keiner das Grab des andern sehen musste.<br \/>\nIm Flugzeug verstaue ich meinen Rucksack im Schapp \u00fcber meinem Sitz, assistiert von dem Herrn mit der schwachen Blase, der mir galant das Gep\u00e4ck aus der Hand nimmt, ohne sich um das \u201cSei vorsichtig, dein Kreuz\u201d seiner Frau zu k\u00fcmmern. Der Mann tut mir schon fast leid und ich l\u00e4chele ihn an. Er sieht auch gar nicht unattraktiv aus, gro\u00df und schlank und mit dichtem, kurz geschnittenem, grauem Haar. Warum l\u00e4sst er sich herumkommandieren?<br \/>\nAls er sich auf den mittleren Sitz neben mich setzen will, greift seine Frau wieder ein. \u201cAlexander, setz dich auf den Au\u00dfensitz, da kannst du deine Beine besser ausstrecken. Denk an deine Neigung zur Thrombose.\u201d Er gehorcht wortlos, wirft mir aber einen entschuldigenden Blick zu und rollt mit den Augen. Komm mir nicht so, denke ich. Auf dieses Spiel lasse ich mich nicht ein. Das ist deine Frau und mit der musst du klarkommen.<br \/>\nDie Blicke von M\u00e4nnern zeigen mir manchmal, dass ich trotz meiner 54 Jahre immer noch eine ansehnliche Frau bin. Doch ich meinem Leben als Single habe ich gelernt, mich vor verheirateten M\u00e4nnern zu h\u00fcten, die sich bei der Freundin oder der Geliebten bitter \u00fcber ihre Ehefrauen beklagen, aber feige heim ins K\u00f6rbchen h\u00fcpfen, wenn es ernst wird. Um mit einem Flirt ihr m\u00e4nnliches Ego aufzupolieren, dazu bin ich mir zu schade.<br \/>\nDer Flieger setzt sich in Bewegung und rollt zur Startbahn. Ich lehne den Kopf ans Fenster und schlie\u00dfe die Augen. So kann ich am besten meine Flugangst bek\u00e4mpfen, die mich immer kurz vor dem Start \u00fcberf\u00e4llt. Erst als der Airbus seine H\u00f6he erreicht, lehne ich mich erleichtert zur\u00fcck und genie\u00dfe sogar das Bordfr\u00fchst\u00fcck. Wei\u00dfbrot ist nicht unbedingt mein Fall, und die Wurst ist auch gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, aber der Kaffee ist gut und ich vertiefe mich in den neuen Roman von Jonathan Franzen und tauche ein in eine verwickelte Familiengeschichte. Ich muss wohl eingeschlafen sein, denn als ich die Augen wieder \u00f6ffne und die Jalousie vor dem runden Fenster hochschiebe, muss ich blinzeln. Die graue Wolkendecke liegt hinter uns und wir fliegen in gro\u00dfer H\u00f6he \u00fcber die anatolische Gebirgswelt, unter uns die schneebedeckten Dreitausender mit ihren schimmernden Gletscherzungen. Auch kleinere D\u00f6rfer sind zu erkennen. Sind das die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten anatolischen D\u00f6rfer, deren Bewohner ihre S\u00f6hne und T\u00f6chter nach Deutschland schicken, um dem armseligen Leben zu entgehen? Leben hier die kurdischen Familien in ihren mittelalterlichen Strukturen, in denen der Vater Herr ist \u00fcber Leben und Tod, die S\u00f6hne z\u00fcchtigen, die T\u00f6chter zwangsverheiraten kann? Ich \u00fcberlege, ob sich auch in Anatolien die Machtstrukturen im Alter umdrehen. Wird auch in patriarchalischen Verh\u00e4ltnissen der \u00e4ltere Mann wieder zum Kleinkind, das von der Frau zur Toilette geschickt wird?<br \/>\nDie Maschine beginnt den Sinkflug. Die Landebahn kommt in Sicht und das Flugzeug setzt holpernd auf. Die Bremsen greifen mit rauschendem Get\u00f6se, die Passagiere werden in ihren Gurten nach vorne gedr\u00fcckt. Das Flugzeug wird langsamer, rollt zum Ankunftsgeb\u00e4ude. Die Luft ist angenehm warm. Ein Zubringerbus bringt mich und acht weitere Touristen in ein F\u00fcnf-Sterne-Hotel in die N\u00e4he von Kemer. Noch vor ein paar Jahren h\u00e4tte ich mir nie vorstellen k\u00f6nnen, eine All-Inclusive Reise zu buchen, und das auch noch allein.<br \/>\nDas Zimmer gef\u00e4llt mir. Vom Balkon aus hat man einen weiten Blick aufs Meer. Ich ziehe mich um, nehme meinen Laptop, um noch ein paar Mails abzurufen, setze mich an einen kleinen Tisch in der Lobby. Ein Menschenauflauf im Gang l\u00e4sst mich aufblicken. Von allen Seiten eilen schick gekleidete Paare herbei und versuchen, durch die zweifl\u00fcgelige Glast\u00fcr in den Speisesaal zu sp\u00e4hen. Offensichtlich soll bald das abendliche B\u00fcffet er\u00f6ffnet werden und niemand will zu sp\u00e4t kommen. Haben all diese Leute wirklich Hunger oder ist es reiner Futterneid, der sie so fr\u00fch schon in Richtung Speisesaal treibt? Der Ger\u00e4uschpegel steigt an. Ganz vorne wird gedr\u00e4ngelt und geschubst. Meine G\u00fcte, sind diese Rentner alle kurz vor dem Hungertod? Essen als Erotik des Alters?<br \/>\n\u201cImmer wird die T\u00fcr zu sp\u00e4t ge\u00f6ffnet\u201d, ereifert sich ein korpulenter \u00e4lterer Herr im dunklen Jackett und bl\u00fctenwei\u00dfen Hemd. \u201cP\u00fcnktlichkeit lernen die T\u00fcrken wohl nie!\u201d<br \/>\n\u201cJosef, nun schimpf nicht schon wieder\u201d, sagt die Frau an seiner Seite und streichelt beruhigend \u00fcber seinen Arm. \u201cSchau, da kommen die Kellner ja schon!\u201d<br \/>\nUnd in der Tat n\u00e4hern sich zwei schwarz gekleidete Kellner von innen her der Glast\u00fcr, um sie aufzuschlie\u00dfen. Sie bewegen sich langsam, fast zeremoniell. Ihre gleichm\u00fctigen, freundlichen Gesichter zeigen nicht, was sie denken.<br \/>\n\u201cMeine G\u00fcte, sind die langsam\u201d, schimpft der Rentner wieder. \u201cIst doch klar, dass sie hier zu nichts kommen. Diese Ineffektivit\u00e4t!\u201d<br \/>\n\u201cWas wollen Sie\u201d, mischt sich ein Mann von hinten ein. Ich drehe mich um. Es ist Alexander, der Mann aus dem Flugzeug, diesmal ohne seine Frau. \u201cWir sind hier in der T\u00fcrkei. Deutsche rein, T\u00fcrken raus? Was schlagen Sie vor?\u201d<br \/>\nIch bin so verbl\u00fcfft, dass ich ihm anerkennend zul\u00e4chle und den Daumen hochhalte.<br \/>\n\u201cIst doch wahr\u201d, der Rentner gibt sich nicht so schnell geschlagen, \u201cdiese Unproduktivit\u00e4t, man k\u00f6nnte aus der Haut fahren. Haben Sie mal gesehen, wie langsam die morgens die Eier braten. Und immer nur ein Ei in der gro\u00dfen Pfanne.\u201d<br \/>\n\u201cJa, klar\u201d, spottet der andere. \u201cWir brauchen hier Produktivit\u00e4t wie bei uns. Einer von zehn arbeitet und die anderen neun kriegen Hartz IV. Klappt vorz\u00fcglich.\u201d<br \/>\nDie T\u00fcr wird ge\u00f6ffnet und die Meute st\u00fcrzt zur Atzung. Mir ist der Appetit vergangen. Ich versuche, gegen den Strom wieder hinaus in die Lobby zu kommen.<br \/>\n\u201cDarf ich mich vorstellen, mein Name ist Petersen. W\u00fcrden Sie mir die Freude machen, mit mir zu essen?\u201d<br \/>\nIch schaue Petersen an. Er hat ein offenes, intelligentes Gesicht und sein Schlagabtausch mit dem n\u00f6rgelnden Rentner hat mir imponiert. Ich willige ein wenig z\u00f6gernd ein und wir setzen uns an einen Fenstertisch mit Blick auf den erleuchteten Palmengarten. Er erw\u00e4hnt seine Frau mit keinem Wort und ich sehe keine Veranlassung nachzufragen. Wider Erwarten wird es ein am\u00fcsanter, anregender Abend. Petersen ist schon oft in der T\u00fcrkei gewesen, spricht ganz passabel T\u00fcrkisch und kann anschaulich und am\u00fcsant erz\u00e4hlen.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen weckt mich das Licht, das durch einen Spalt zwischen den Vorh\u00e4ngen f\u00e4llt. Ich sp\u00fcre die helle W\u00e4rme im Gesicht, ehe ich die Augen aufschlage. Durch die halb ge\u00f6ffnete Balkont\u00fcr h\u00f6re ich das Rauschen des Meeres und das schabende Klatschen der Brecher an den Kiesstrand. Ich blicke auf die Uhr. Es ist erst sieben und ich bin noch etwas angeschlagen. Der gestrige Abend hat an der Bar geendet, an der ich mit Petersen noch den einen oder anderen Raki getrunken habe. Er sei Anwalt in einer gr\u00f6\u00dferen Soziet\u00e4t in Hamburg gewesen, hat er mir erz\u00e4hlt, aber seit einem halben Jahr habe er sich in den Fr\u00fchruhestand zur\u00fcckgezogen, sei aber nicht gl\u00fccklich mit der Entscheidung. Ich habe ihm von meinem stressigen Job an der Klinik erz\u00e4hlt und wir haben \u00fcber das \u00c4lterwerden gesprochen, peinlich darauf bedacht, das Thema Partnerschaft und Ehe auszuklammern.<br \/>\nHeute ist die erste Wanderung auf dem lykischen Pfad angesagt und ich schiebe energisch die Bettdecke zur Seite und setze mich auf. Barfu\u00df trippele ich auf den Balkon und genie\u00dfe die K\u00fchle der Fliesen unter meinen Sohlen. Ein wenig fr\u00f6stelnd blicke ich auf die Hotelanlage unter mir. Ein Jogger l\u00e4uft mit weiten ausholenden Schritten vorne am Meer entlang. So viel Selbstdisziplin m\u00f6chte ich haben, dann w\u00fcrde ich auch leicht ein paar Pfunde loswerden.<br \/>\nAuf dem geschwungenen Swimmingpool schwimmt eine einsame Ente. Das n\u00e4chtliche Quaken der Fr\u00f6sche ist verstummt, eine Katze n\u00e4hert sich lautlos der Hotelterrasse, auf der die K\u00f6che das Fr\u00fchst\u00fccksb\u00fcfett aufbauen. Der Duft von gebratenen Eiern steigt mir in die Nase und ich blicke auf die Rentner, die schon ungeduldig Schlange stehen, mit dem Teller in der Hand.<br \/>\nEin wenig peinlich ist es mir schon, als ich mir sp\u00e4ter beim Fr\u00fchst\u00fcck verstohlen ein kleines Lunchpaket mache. Vielleicht sollte ich aufh\u00f6ren, \u00fcber die Langzeiturlauber zu l\u00e4stern, denke ich, und lasse schnell ein Br\u00f6tchen und einen Apfel in meinem kleinen Rucksack verschwinden. Aber die Wanderung soll bis in den Nachmittag hinein dauern, und ich bin nicht sicher, ob wir unterwegs einkehren werden.<br \/>\nDas Altenheim macht einen Ausflug, denke ich, als ich als eine der Letzten den Bus verlasse und auf die Reihe der grauen K\u00f6pfe vor mir blicke, die langsam den Bergpfad hinaufsteigen. Aber ich werde schnell eines Besseren belehrt. Unser Wanderf\u00fchrer legt ein gutes Tempo vor und ich muss mich anstrengen, um mitzuhalten. Diese Langzeiturlauber sind eine trainierte Truppe, fit und gesund, und die meisten von ihnen wandern nicht zum ersten Mal. Man kennt sich untereinander, kommt ins Gespr\u00e4ch. Bei der ersten Pause herrscht schon eine solch entspannte und lockere Atmosph\u00e4re, dass ich beginne, mich wohlzuf\u00fchlen.<br \/>\nVon dieser H\u00f6he her ist die Aussicht auf das Meer grandios. \u00dcber uns erhebt sich der fast 3000m hohe Gipfel des schneebedeckten Tahtali, des lykischen Olymps. Verst\u00e4ndlich, dass dieser Berg den antiken K\u00fcstenv\u00f6lkern als Sitz der G\u00f6tter galt. Vom Olymp waren Zeus und sein Sohn Hermes zu ihrer langen Wanderung aufgebrochen, auf der sie von Philemon und Baucis so gro\u00dfz\u00fcgig bewirtet wurden, dass sie deren \u00e4rmliche H\u00fctte zum Dank in einen goldenen Tempel verwandelten. Nun bist du in Gedanken schon wieder bei diesem alten Liebespaar, weise ich mich zurecht. Das wird ja langsam zur fixen Idee.<\/p>\n<p>Doch ein paar Tage sp\u00e4ter lerne ich tats\u00e4chlich eine wieder auferstandene Version von Philemon und Baucis kennen. Das Paar ist mir schon bei der Ankunft aufgefallen. Er, gro\u00df und schlank, mit lauter Stimme und lebhaft gestikulierenden H\u00e4nden, sie klein, zierlich, mit puppenhaftem Gesicht und gro\u00dfen blauen Augen, die immer wieder bewundernd zu ihm aufschauen. Ein pensioniertes Professorenehepaar aus Magdeburg, deren gemeinsamer Auftritt jeden Abend Aufsehen erregt. An seinem Arm schreitet sie grazi\u00f6s in ihren hochhackigen Pumps die Treppe hinab. Die bewundernden Blicke der ergrauten Herrenwelt nimmt sie routiniert wahr, sonnt sich in der m\u00e4nnlichen Anerkennung und macht ihren Mann auf die Huldigungen aufmerksam. Dann scheint er noch gr\u00f6\u00dfer zu werden, legt den Arm besitzergreifend um sie und strahlt. Habe ich endlich das gl\u00fcckliche alte Paar gefunden, ein Paar, dessen Liebe im Laufe der langen Jahre gewachsen ist, deren Gef\u00fchle sich nicht verbraucht haben im allt\u00e4glichen Streit des Alltags? Ich bin fasziniert.<br \/>\nBeim Ausflug nach Termessos setze ich mich im Bus hinter die beiden und fange ein Gespr\u00e4ch an. Der alte Kunstprofessor wei\u00df viel \u00fcber griechische und r\u00f6mische Kultur und Geschichte, erz\u00e4hlt anschaulich von dem im wilden Taurusgebirge gelegenen Stadtstaat Termessos, deren Bewohner herannahende Feinde schon von weitem orten und jeden Angriff abwehren konnten. Sogar Alexander der Gro\u00dfe sei an dieser Festung gescheitert.<br \/>\nNicht nur ich, auch die anderen Teilnehmer h\u00f6ren seinen Ausf\u00fchrungen fasziniert zu. Ein wenig \u00fcberrascht bin ich jedoch, als ich bemerke, dass auch seine Frau aufmerksam lauscht. Sie muss die Geschichte doch schon viele Mal geh\u00f6rt haben, denn die beiden sind nicht zum ersten Mal hier. Ist ihr Interesse geheuchelt oder aufrichtig? Ich beobachte das Paar genau und versuche, auch mit ihr ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Ihre Reaktionen auf meine Fragen und Kommentare sind stark verlangsamt, anscheinend muss sie erst l\u00e4nger \u00fcber den Sinn meiner Worte nachdenken, ehe sie antwortet. Immer wieder schaut sie verunsichert zu ihrem Mann auf und er umfasst beruhigend ihre Schultern, antwortet f\u00fcr sie. Und dann schwant mir nach und nach die bittere Wahrheit. Beginnende Demenz? Ich bin ersch\u00fcttert und gleichzeitig bewegt, wie f\u00fcrsorglich der Mann sich um seine Frau k\u00fcmmert und daf\u00fcr sorgt, dass m\u00f6glichst niemand etwas von ihrer Krankheit ahnt. Noch kann er mit ihr reisen, und sie genie\u00dft ganz offensichtlich die Urlaubstage in seiner Gegenwart. Sie ist ruhig und gelassen, lacht, wenn er lacht, und ergreift immer wieder seine Hand.<br \/>\nGibt es eine Philemon und Baucis &#8211; Geschichte nur, wenn ein Partner krank wird, den Verstand verliert? Ich wage nicht, den Gedanken zu Ende zu denken. W\u00e4hrend der R\u00fcckfahrt weiche ich allen Gespr\u00e4chen aus und setze mich auf die R\u00fcckbank. Auch als Petersen mir im Hotel begegnet und auf mich zugehen will, nicke ich ihm nur kurz zu. Ich will allein sein.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Vormittag, als ich es mir auf der Sonnenliege bequem gemacht habe und \u00fcberlege, ob ich trotz des frischen Windes in die Wellen tauchen soll, kommt Alexander Petersen entschlossen auf mich zu und hockt sich neben mich in den Sand.<br \/>\n\u201cFriederike, Sie weichen mir aus?\u201d<br \/>\nIch schlucke. \u201cSie sind verheiratet, nicht wahr?\u201d<br \/>\n\u201cJa, und ich habe das nie geleugnet. Bedeutet das, dass es verboten ist, sich mit einer sympathischen und gut aussehenden Frau zu unterhalten und ihre Gesellschaft zu suchen?\u201d<br \/>\n\u201cWo ist Ihre Frau?\u201d Ich wische seine Worte mit einem Schulterzucken zur Seite.<br \/>\n\u201cMeine Frau f\u00fchlt sich nicht wohl. Ganz offensichtlich bekommt ihr das Klima nicht. Sie leidet unter starken Depressionen, und wir hatten gehofft, die Sonne w\u00fcrde ihr gut tun. Leider ist das nicht der Fall.\u201d<br \/>\n\u201cUnd was werden Sie nun tun?\u201d<br \/>\n\u201cDen Urlaub abbrechen. Wir werden heute Abend zur\u00fcckfliegen. Das wollte ich Ihnen sagen. Und dass ich es schade finde, dass wir uns nicht n\u00e4her kennen lernen konnten.\u201c Petersen l\u00e4chelt mich an. \u201cIch wei\u00df, was Sie denken. Sie m\u00f6chten sich nicht benutzen lassen. Das kann ich verstehen.\u201d<br \/>\nIch wei\u00df nicht, was ich sagen soll.<br \/>\n\u201cUnd vielen Dank f\u00fcr den netten Abend neulich. Es waren die sch\u00f6nsten Stunden in diesem Urlaub.\u201d<br \/>\nEr beugt sich vor und ergreift meine Hand. \u201cAuf Wiedersehen.\u201d Und pl\u00f6tzlich k\u00fcsst er mich auf die Wange. \u201cWir werden uns wiedersehen.\u201d Er drehte sich abrupt um und geht in Richtung Hotel davon. Ich starre ihm nach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cGeh noch zur Toilette, Alexander\u201c, h\u00f6re ich in der Flughafenhalle eine \u00e4ltere Frau zu ihrem Mann sagen. \u201cSonst musst du wieder im Flugzeug.\u201d \u201cDu behandelst mich wie ein kleines Kind\u201d, knurrt der Gatte, macht sich aber brav auf den Weg.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-938","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erzahlungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/938","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=938"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/938\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1163,"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/938\/revisions\/1163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}