{"id":65,"date":"2010-08-05T18:45:21","date_gmt":"2010-08-05T16:45:21","guid":{"rendered":"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/?p=65"},"modified":"2015-11-29T12:45:39","modified_gmt":"2015-11-29T10:45:39","slug":"eine-sommeridylle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/eine-sommeridylle\/","title":{"rendered":"Sommeridylle"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/?attachment_id=324\" rel=\"attachment wp-att-324\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-324\" title=\"Landwein - Hochformat\" src=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/fotolia_44006147_xs-150x150.jpg\" alt=\"Landwein - Hochformat\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>&#8222;M\u00f6chtest du noch einen Schluck Wein, Frederik?&#8220; Roswitha l\u00e4chelt ihn\u00a0 an und greift mit der Hand in den Picknickkorb. Wie sch\u00f6n ist es, jetzt mit ihm zusammen hier auf dieser bl\u00fchenden Sommerwiese zu sitzen.<!--more--> Sie hat sehr k\u00e4mpfen m\u00fcssen um dieses gemeinsame Wochenende. Frederik ist so viel \u00e4ngstlicher als sie. Aber ist es denn wirklich so schwer, der Ehefrau zu erz\u00e4hlen, dass er nach einem Symposium \u00fcber Wirtschaftfragen von Kollegen noch eingeladen worden ist, ein paar Tage l\u00e4nger in Nizza zu bleiben. Roswitha hat ohne Probleme einen Ryanair-Flug buchen k\u00f6nnen und freut sich auf die Tage mit ihrem charmanten Professor, der so ganz anders ist als\u00a0 ihre l\u00e4rmenden angeberischen Kommilitonen.<br \/>\n&#8222;Ich liebe dich, Schatz&#8220;, Frederik h\u00e4lt sein Weinglas hoch. Eigentlich wei\u00df er, dass er Alkohol am Tag nicht so gut vertr\u00e4gt, aber er ist selig, hier mit Roswitha sitzen zu k\u00f6nnen und die h\u00e4uslichen Sorgen und den beruflichen Stress zu vergessen .Die Luft ist d\u00fcnn geworden im universit\u00e4ren Bereich, man neidet ihm seine guten Kontakte zur Wirtschaft. B\u00f6se Zungen behaupten, er h\u00e4tte diese Kontakte nur seinem Schwiegervater zu verdanken, dem hoch angesehenen Wirtschaftweisen und Dekan einer gro\u00dfen westdeutschen Universit\u00e4t. Seine wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen lie\u00dfen in letzter Zeit auch zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. So ein Unsinn, dabei arbeitet er doch Tag und Nacht. Auch Marie beklagt sich schon, er habe zu wenig Zeit f\u00fcr sie und die Kinder. Sie ist \u00fcberhaupt sehr schwierig in letzter Zeit. Was erwartet sie eigentlich? Dass es im Bett immer noch so klappt wie vor zwanzig Jahren? Meine G\u00fcte, er ist \u00e4lter geworden und sie auch. Sie ist immer noch eine elegante eigenwillige Frau, der Mittelpunkt bei jedem Empfang. Er ist stolz auf sie, aber die getrennten Schlafzimmer sind eine Erl\u00f6sung.<br \/>\nEigentlich will auch Roswitha viel zu viel von ihm. Meine G\u00fcte, sind die jungen Frauen heute sexbesessen. Aber immerhin ist sie jung und spontan und liebt ihn wirklich. In ihren Armen kann er sich wieder als Mann f\u00fchlen.<br \/>\n&#8222;Ich liebe dich auch, ich m\u00f6chte mit dir leben.&#8220; Frederik wird aus seinen Gedanken gerissen. Was hat sie gesagt? &#8222;Ach, ja, ich auch. Das w\u00e4re sch\u00f6n.&#8220;<br \/>\n&#8222;Wieso w\u00e4re? Warum tun wir es nicht? Du hast doch gesagt, dass du und deine Frau, dass ihr gar nicht mehr miteinander schlaft.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja aber, aber&#8230; Ich kann doch nicht einfach. .. Nein, nein, und da sind noch die Kinder. Nein, das kann ich ihnen nicht antun.&#8220; Hoffentlich verdirbt sie uns jetzt nicht das Wochenende denkt er und sieht sie bittend an. &#8222;Das muss du verstehen. Vor allen Dingen nicht so schnell\u2026&#8220;<br \/>\n&#8222;Schnell? Wir kennen uns seit einem Jahr. Und ich bin die Heimlichtuerei satt. In der \u00d6ffentlichkeit tust du so, als\u00a0 w\u00fcrdest du mich nicht kennen. Das ist auf Dauer ziemlich dem\u00fctigend.&#8220;<br \/>\n&#8222;Aber, Liebling, lass mir noch ein bisschen Zeit. Du bist jung und unabh\u00e4ngig, aber ich bin in so viel Zw\u00e4ngen gefangen\u2026&#8220;<br \/>\n&#8222;Papperlapapp, in Zw\u00e4ngen gefangen. Du willst nur nicht.&#8220; Roswithas Stimme wird h\u00f6her. &#8222;Du liebst mich nicht wirklich. Ich bin f\u00fcr dich nur ein Zeitvertreib.&#8220; Tr\u00e4nen rinnen ihr \u00fcbers Gesicht.<br \/>\nEr streicht ihr \u00fcbers dichte lockige Haar, redet bes\u00e4nftigend auf sie ein. &#8222;Du wei\u00dft, dass das nicht stimmt, was du sagst. Ich liebe, du hast meinem Leben wieder einen Sinn gegeben. Nur mit dir f\u00fchle ich mich lebendig&#8220;<br \/>\n&#8222;Aber warum\u2026&#8220;<br \/>\n&#8222;Roswitha&#8220;, eine leichte Ungeduld ist in seiner Stimme zu h\u00f6ren, &#8222;wir haben schon so oft dar\u00fcber gesprochen, verdirb uns nicht die paar sch\u00f6nen Tage. Wir werden eine L\u00f6sung finden, hab doch ein wenig Geduld.&#8220;<br \/>\n&#8222;Geduld, Geduld. Das sagst du immer. Wann redest du endlich mit deiner Frau? Du kannst mir doch nicht erz\u00e4hlen, dass sie nicht merkt, dass etwas nicht stimmt. &#8220;<br \/>\n&#8222;Roswitha, bitte. Ich kann ihr das im Moment nicht antun. Die Kinder werden fl\u00fcgge, Marie ist in den Wechseljahren, nein, nein, das w\u00e4re zu viel f\u00fcr sie. Das kann ich nicht verantworten.&#8220;<br \/>\n&#8222;Aber du kannst verantworten, mir wehzutun. Du kannst verantworten, mich immer wieder zu dem\u00fctigen. Wei\u00dft du was, wenn du es nicht kannst, ich kann es. Ich werde mit deiner Frau reden.&#8220;<br \/>\n&#8222;Was ?&#8220; Er springt auf. &#8222;Das wirst du nicht tun. Das ist allein meine Sache.&#8220;<br \/>\nAuch sie ist aufgestanden und blickt ihn w\u00fctend an. &#8222;Du wirst dich wundern, was ich alles kann, Herr Professor. Ich spiele nicht mehr mit. Entweder sprichst du mit deiner Frau oder ich sage es ihr.&#8220; Sie z\u00fcckt ihr Handy. &#8222;Wir k\u00f6nnen das auch sofort erledigen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Nein, bist du von allen guten Geistern verlassen?&#8220; Er packt ihre Handgelenke, will ihr das Handy entrei\u00dfen. Sie wehrt sich.<br \/>\nPl\u00f6tzlich sackt er zusammen. Er presst seine rechte Hand auf die Brust. Seine Lippen werden wei\u00df, er ringt nach Luft, sinkt zu Boden. Entsetzt beugt sie sich \u00fcber ihn &#8222;Das wollte ich nicht. Frederik, Frederik, Liebling!&#8220;<br \/>\nEr h\u00f6rt sie nicht mehr. Der \u00fcber das Handy herbeigerufene Notarzt kann nur noch den Tod feststelle: Herzversagen.<br \/>\nEine von der Familie erbetene Obduktion ergibt als Todesursache eine Unvertr\u00e4glichkeit zwischen einer Herz-Kreislauf-Medikation und einer hohen Dosis von Viagra.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;M\u00f6chtest du noch einen Schluck Wein, Frederik?&#8220; Roswitha l\u00e4chelt ihn\u00a0 an und greift mit der Hand in den Picknickkorb. 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