{"id":610,"date":"2014-04-04T10:30:24","date_gmt":"2014-04-04T08:30:24","guid":{"rendered":"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/?p=610"},"modified":"2015-02-28T20:20:04","modified_gmt":"2015-02-28T18:20:04","slug":"shopping","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/shopping\/","title":{"rendered":"Shopping"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/2013-11-19_15-35-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-912\" src=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/2013-11-19_15-35-02-150x150.jpg\" alt=\"2013-11-19_15-35-02\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die blauen Wohnblocks der Hotelanlage\u00a0 sind schon von der K\u00fcstenstra\u00dfe aus zu sehen: das zw\u00f6lfst\u00f6ckige F\u00fcnf-Sterne-Hotel, links daneben ein hoher rechteckiger Block mit Ferienwohnungen und im von purpurnen Bougainvillearanken und scharlachroten Hibiskusttr\u00e4uchern \u00fcberwucherten Park ein niedrig gebauter zweigeschossiger Pavillon mit Luxusapartments. Hellgraue, sorgf\u00e4ltig gepflegte Gehplatten f\u00fchren uns von au\u00dfen an der marmorgefliesten Empfangshalle vorbei zur Nordwestecke des Geb\u00e4udes. Salzig die Luft, das Rauschen der Brandung ist bis hierher zu h\u00f6ren.<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Kommen Sie doch herein!&#8220; Die elegant gekleidete, schwarzhaarige Frau hat eine tiefe, raue Stimme. &#8222;Ich bin Valeriya.&#8220;<\/p>\n<p>Sie gibt Wiebke und mir die Hand, k\u00fcsst Marie-Theresa auf die Wange und h\u00e4lt uns die Glast\u00fcr auf. Das Atelier, obwohl hell und lichtdurchflutet, ist angenehm k\u00fchl und riecht leicht nach Lavendel. Die bis an den Boden reichenden Glasscheiben werden durch ein Vordach gesch\u00fctzt, und vor dem Haus spenden die hohen kanarischen Dattelpalmen mit den langen gefiederten Wedeln Schatten. Neugierig treten wir n\u00e4her.<\/p>\n<p>Marie-Theresa &#8211; eine auf Teneriffa wohnende Freundin &#8211; hat Wiebke und mich mitgenommen zu Valeriya, die seit \u00fcber 15 Jahren in Puerto de la Cruz wohnt und arbeitet, urspr\u00fcnglich aber aus Oldenburg kommt. Das pechschwarze, streng zur\u00fcckgek\u00e4mmte Haar, die hohen Wangenknochen, die dunklen lebhaft blitzenden Augen lassen sie sogar nicht norddeutsch aussehen. Sie sei als Zweij\u00e4hrige mit ihren Eltern von Kiew nach Norddeutschland gekommen, erz\u00e4hlt die siebzigj\u00e4hrige Modedesignerin. Hier in Puerto de la Cruz habe sie sich eine neue Existenz aufgebaut.<\/p>\n<p>&#8222;Sehen Sie sich um&#8220;, sagt sie und weist auf die wei\u00dfen offenen Regale an der linken Wand, in denen Blusen, Kleider, R\u00f6cke, Hosen, Jacken, bunte T\u00fccher h\u00e4ngen. Wiebke und ich kommen uns ein wenig deplatziert vor. Valeriya hat bei unserem Anblick nicht mit der Wimper gezuckt, auch wenn sie im Gegensatz zu uns perfekt geschminkt und elegant gekleidet ist. Zu dem \u00e4rmellosen, grau-schwarz gemusterten Seidenkleid tr\u00e4gt sie ein schwarzes Shirt mit drei viertel langen \u00c4rmeln und &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; schwarze elegante Ledersandaletten mit kleinem Absatz. Unser schlabberig-praktischer Freizeitlook mit halblangen Hosen, T-Shirt und ausgetretenen Sandalen passt nicht so recht ins Ambiente. Zumindest ich komme mir vor wie das h\u00e4ssliches Entlein bei &#8222;Deutschland sucht das Supermodel.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Valeriya sich um die schicke Marie-Theresa k\u00fcmmert, die ein schwarzes Spitzenkleid bestellt hat und nun zur ersten Anprobe gekommen ist, flippen wir z\u00f6gernd durch das gro\u00dfe Angebot. Mit zwei Fingern schieben wir die schlanken Holzb\u00fcgel von rechts nach links, nehmen das eine oder andere Teil heraus, gehen zu dem gro\u00dfen Spiegel am Fenster, halten es vor den Oberk\u00f6rper. Wiebke ist ganz verliebt in eine wei\u00df-gr\u00fcne Bluse im Zipfel-Look, ich lieb\u00e4ugle mit einer kurzen, blauen Jacke, weit und flott geschnitten.<\/p>\n<p>&#8222;Ziehen Sie die Sachen an&#8220;, sagt Valeriya &#8220; Erst dann k\u00f6nnen Sie sehen, was Sie m\u00f6gen, was Ihnen steht.&#8220; Sie winkt uns in den hinteren Teil der Boutique. Eine wei\u00dfe Innenwand teilt die H\u00e4lfte des etwa 50 qm gro\u00dfen Raums ab, dient auch als Sichtschutz, sodass wir uns ungest\u00f6rt umziehen k\u00f6nnen.<br \/>\nHier ist wohl auch der eigentliche Arbeitsbereich der Designerin: Schreibtisch mit Computer, ein breiter Zuschneidetisch, die deutsche Pfaff-N\u00e4hmaschine, ein gro\u00dfer geschnitzter Holzschrank an der Au\u00dfenwand, deren T\u00fcren Valeriya \u00f6ffnet, um uns ihre Stoffe zu zeigen.<br \/>\nAngenehme \u00dcberraschung. Alle, aber auch alle Kleidungsst\u00fccke, in denen wir uns vor dem gro\u00dfen Wandspiegel drehen, sind zu gro\u00df.<br \/>\n&#8222;Das mache ich immer so&#8220;, erkl\u00e4rt Valeriya. &#8222;Es ist viel leichter, Kleider enger zu machen als weiter.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja&#8220;, lacht\u00a0 Wiebke.&#8220; Und au\u00dferdem bekommen die Kundinnen bessere Kauflaune, wenn die Sachen zu gro\u00df sind und sie nicht aussehen wie in Pelle gepresste W\u00fcrste.&#8220;<\/p>\n<p>Vor ihrem Spiegelbild wiegt sie sich in den H\u00fcften. Die Bluse ist lang wie ein Kleid, die Farben passen zu ihren gr\u00fcnen Augen. Valeriya hat ihr wei\u00dfe Leggins gegeben, und nun hebt Wiebke neckisch einen Zipfel der Kleid-Bluse, streift die Sandalen ab, h\u00fcpft auf Zehenspitzen \u00fcber die hellen k\u00fchlen Fliesen. &#8222;Wie findet ihr mich? Wie sehe ich aus?&#8220;<\/p>\n<p>Marie-Theresa sitzt schon mit einem frisch aufgebr\u00fchten Cappuccino auf der kleinen wei\u00dfen Holzbank vor dem Fenster und begutachtet uns kritisch, wenn wir in den vorderen sonnenhellen Teil der Boutique herausspaziert kommen.<br \/>\n&#8222;Reine Wolle mit einem Schuss Synthetik. Knittert nicht&#8220;, sagt Valeriya, als ich mir die graublaue Jacke \u00fcberziehe. &#8222;F\u00fcr Teneriffa zu warm. Aber in Deutschland k\u00f6nnen Sie die wahrscheinlich gut gebrauchen.&#8220;<br \/>\nIch wende mich um, ziehe die Schultern hoch, drehe den Hals nach hinten, um einen Blick auf die R\u00fcckseite zu erhaschen. Nun sitzt die Jacke gar nicht mehr. Freundlich schiebt mich Valeriya wieder in Position, richtet die Schulterpolster.<br \/>\n&#8222;Ich werde Ihnen die Jacke abstecken, damit sie den richtigen Eindruck bekommen.&#8220; Sie hat die Stecknadeln schon im Mund, macht die Jacke unter den Armen enger, nimmt von hinten Weite ab. Ich streiche \u00fcber den weichen Stoff. Sieht schon klasse aus, das J\u00e4ckchen. Passt es zu mir? Zu elegant? Doch lieber ein Sommerkleid? Oder beides?<br \/>\nGeduldig zeigt uns Valeriya ihre Modelle, erkl\u00e4rt die Qualit\u00e4t der Stoffe, hilft bei der Anprobe, macht Farbberatung, gibt Tipps.<\/p>\n<p>&#8222;Ich will, dass Sie auch noch zufrieden sind, wenn sie meine Kollektion sp\u00e4ter tragen: auf der Stra\u00dfe, beim Einkauf, auf einem Fest. Stoff, Farbe, Schnitt, alles muss zur Person passen.&#8220;<\/p>\n<p>Wir glauben ihr. Und kaufen. Es gibt ja Geldautomaten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die blauen Wohnblocks der Hotelanlage\u00a0 sind schon von der K\u00fcstenstra\u00dfe aus zu sehen: das zw\u00f6lfst\u00f6ckige F\u00fcnf-Sterne-Hotel, links daneben ein hoher rechteckiger Block mit Ferienwohnungen und im von purpurnen Bougainvillearanken und scharlachroten Hibiskusttr\u00e4uchern \u00fcberwucherten Park ein niedrig gebauter zweigeschossiger Pavillon mit Luxusapartments. 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