{"id":601,"date":"2014-02-20T17:03:30","date_gmt":"2014-02-20T15:03:30","guid":{"rendered":"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/?p=601"},"modified":"2015-02-28T20:23:37","modified_gmt":"2015-02-28T18:23:37","slug":"bodyboarding","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/bodyboarding\/","title":{"rendered":"Bodyboarding"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/2013-11-11_17-42-22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-914\" src=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/2013-11-11_17-42-22.jpg\" alt=\"2013-11-11_17-42-22\" width=\"150\" height=\"137\" \/><\/a>Die Stra\u00dfe von Icod zur Badebucht San Marcos windet sich in Serpentinen den Hang hinunter. Doch nicht nur die ausl\u00e4ndischen Touristen in ihren gelben und roten und blauen Plus- und Goldcars fahren vorsichtig, auch die einheimischen Tinerfenos lassen den heraufkommenden Wagen die Vorfahrt, fahren in die Ausweichbuchten, warten geduldig, heben gr\u00fc\u00dfend die Hand.<!--more--><\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Bucht mit dem feink\u00f6rnigen, schwarzen Sand wird von imposanten Armen aus dunklem Lava umfasst, sodass nur eine etwa f\u00fcnfhundert Meter breite \u00d6ffnung bleibt, durch die das aufgew\u00fchlte Meerwasser eindringen kann. Der Wind, sch\u00e4tze ich, hat weiter drau\u00dfen vier bis f\u00fcnf Windst\u00e4rken. Wei\u00dfe Katzenk\u00f6pfe bis zum Horizont. In den letzten Tagen war die See zu rau f\u00fcr die bunten Fischerboote, die &#8211; von einem Kran ans befestigte Ufer gezogen &#8211; nun auf der Mole auf ihren Einsatz warten. Lebensm\u00fcde ist hier niemand, daf\u00fcr haben die einheimischen Fischer zu viel Erfahrung mit Wind und Wetter und den sich hoch auft\u00fcrmenden Wellen. Im Herbst st\u00fcrmt es oft mehrere Tage hintereinander, dann bleiben die Boote an Land.<\/p>\n<p>Ein Holzsteg umrundet einen Teil der inneren Bucht, und wir gehen zu einer der kleinen Strandbuden, die sich an die schwarzen Felsw\u00e4nde schmiegen, setzen uns an einen wei\u00dfen Plastiktisch und bestellen ein Viertel kanarischen Wei\u00dfwein und \u00bbagua con gas\u00ab.<br \/>\nEs ist Mittagszeit. Spanische und ausl\u00e4ndische Touristen haben die Gelegenheit ergriffen, sich im Sonnenschein und mit Sicht aufs Meer einen der frischen Fische servieren zu lassen, die in den Glasvitrinen im Inneren der Tasca ausgestellt sind. Dazu gibt es \u00bbpapas\u00ab, kleine, in Meersalz gekochte Kartoffeln, serviert mit gr\u00fcner und roter scharfer So\u00dfe.<br \/>\nIch sehe keine Schwimmer im Wasser, aber viele Sonnenanbeter, die auf Liegen oder Strohmatten mit geschlossenen Augen im dunklen Sand liegen und die W\u00e4rme genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Eine kleine Gruppe von 10- bis 12-j\u00e4hrigen Jungen in schwarzen Neoprenanz\u00fcgen kommt fachsimpelnd und wild gestikulierend den steilen Steg zum Strand hinunter, bunte Bodyboards unter den Armen. Magere, samtbraune Oberk\u00f6rper gl\u00e4nzen in der Sonne. Sie werfen Handt\u00fccher auf das steinerne M\u00e4uerchen am Rand, streifen Flossen \u00fcber und federn mit geschickten Spr\u00fcngen Richtung Meer, die Bretter hoch \u00fcber dem Kopf balancierend.<\/p>\n<p>Am Ufer laufen die wei\u00dfen Brecher auf, hellgr\u00fcn wird die Welle, ehe sie bricht und die Gischt den Jungen ins Gesicht spritzt. Beh\u00e4nde staksen sie durch den wei\u00dfen Schaum, hechten \u00fcber die erste sich auft\u00fcrmende Welle, tauchen unter der zweiten Welle durch und paddeln mit schnellen, kr\u00e4ftigen Kraulbewegungen ins ruhigere Wasser hinter die Brandung, eins mit dem Brett und dem Wasser, elegant und verspielt wie junge Seehunde.<br \/>\nDie Regel &#8222;eine Welle &#8211; ein Surfer&#8220; scheint hier nicht zu gelten. Fast gleichzeitig wenden die Schwimmer ihre Boards, drehen die K\u00f6pef zur n\u00e4chsten heranrollenden Welle. Sie bleiben eng zusammen wie eine gut trainierte Ballettgruppe, lassen Abstand zu den hier und da aus dem Meer ragenden Lavaspitzen und wissen offensichtlich, wo es die besten Wellen zu reiten gibt. Mit rasend schnellen Bewegungen versuchen die jungen Surfer, sich der Geschwindigkeit der heranrollenden Wogen anzupassen, lassen sich hochtragen und versuchen dann, auf der steilen Seite hinunterzugleiten, \u00fcberschlagen sich im Schaum der brechenden Wassermassen. Sie werden nach unten gewirbelt, drehen sich um 360 Grad, werden vom Brett gefegt. Die Jungen sind keine Anf\u00e4nger, das sieht man, aber immer wieder kommt es vor, dass die Schlaufe weggerissen wird, die das Handgelenk mit einem Ende des Boards verbindet. Das Brett macht sich selbstst\u00e4ndig, treibt allein und unbemannt auf den Strand zu. Nun muss der kleine Surfer versuchen, sich ohne Hilfe des Brettes an Land treiben zu lassen, m\u00f6glichst\u00a0 Boden unter die F\u00fc\u00dfe zu bekommen, um nicht von dem sich zischend zur\u00fcckziehenden Wasser wieder hinausgezogen zu werden. Die Jungs helfen sich gegenseitig, scheinen sich im Auge zu behalten und bringen strampelnden Kameraden das am Strand angeschwemmte Board zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Gibt es an diesem Strand keinen Bademeister? Niemanden, der die Trillerpfeife in den Mund steckt, wenn die Jungen sich zu weit ins offene Wasser wagen? Ich erwische mich dabei, dass ich die K\u00f6pfe z\u00e4hle und immer wieder z\u00e4hle, ob alle wieder auftauchen. Haben die Jungen keine M\u00fctter, die sich Sorgen machen und in Panik geraten w\u00fcrden, wenn sie s\u00e4hen, wie sich ihre S\u00f6hne in die tobende Brandung st\u00fcrzen?<br \/>\n\u00bbGottseidank sind die M\u00fctter nicht hier\u00ab, sagt mein Begleiter und lacht.\u00ab&#8220;Die w\u00fcrden doch nur den Jungen den Spa\u00df verderben.\u00ab<br \/>\nErst als zwei der halbw\u00fcchsigen Surfer weit hinauspaddeln und hinter den Wasserbergen zu verschwinden drohen, steht ein Mann auf und geht ans Wasser. Doch jemand, der sich k\u00fcmmert, denke ich erleichtert.<br \/>\nAls die Wellen niedriger werden, packen die Jungen ihre Bretter unter den Arm, fahren mit dem Handtuch \u00fcber die klatschnassen, schwarzen Haare und verlassen den Strand, wie sie gekommen sind, redend und lachend und mit den H\u00e4nden fuchtelnd.<br \/>\nSind das die Surfer von morgen, die in ein paar Jahren in den Hotspots der Welt todesmutig die haushohen Wellen reiten, immer wieder verborgen in brausenden R\u00f6hren aus Wasser und Schaum?<br \/>\nWarum sollte es anderen M\u00fcttern besser gehen als mir?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stra\u00dfe von Icod zur Badebucht San Marcos windet sich in Serpentinen den Hang hinunter. 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