{"id":517,"date":"2013-05-26T10:51:56","date_gmt":"2013-05-26T08:51:56","guid":{"rendered":"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/?p=517"},"modified":"2015-02-28T20:34:17","modified_gmt":"2015-02-28T18:34:17","slug":"im-schnee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/im-schnee\/","title":{"rendered":"Schneller,Oma!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/image003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-885\" src=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/image003.jpg\" alt=\"image003\" width=\"121\" height=\"150\" \/><\/a>\u00abYipiih\u00bb, br\u00fcllt Max-Emanuel, st\u00f6\u00dft sich ab, geht tief in die Knie, klemmt die Skist\u00f6cker unter die Arme und rast den Hang hinunter.<br \/>\n\u00abHalt, nicht so schnell\u00bb, schreit die Oma und steigt in ihre Ski. Klick und nichts wie hinterher. Ob es eine so gute Idee war, ihrem Enkelsohn zum sechsten Geburtstag ein Skiwochenende in den Bergen zu schenken?<!--more--><br \/>\nNun will Max-Emanuel seiner Oma zeigen, dass er viel schneller fahren kann als sie. Sie kann nicht mehr gem\u00fctlich die blauen Pisten hinuntergleiten, nein, sie muss immerzu hinter Max-Emanuel herjagen.<br \/>\n\u00abWarte\u00bb, schreit sie. \u00abWarte auf mich!\u00bb Angst zu fallen hat sie auch.<br \/>\n\u00abLass blo\u00df nichts passieren, lieber Gott\u00bb, betet sie. Schlie\u00dflich ist sie keine zwanzig mehr. Unten am Lift wartet der Zwerg, strahlt sie an und sagt:<br \/>\n\u00abGeil, Oma, geil!\u00bb<br \/>\n\u00abN\u00e4chstes Mal wartest du auf mich, Maxl\u00bb, sagt sie und japst nach Luft. \u00abUnd wenn ich &#8217;stopp&#8216; schreie, h\u00e4ltst du an, verstanden!\u00bb<br \/>\nEr nickt schuldbewusst. \u00abVersprochen, Oma!\u00bb<br \/>\nGemeinsam schieben sie sich am Automaten vorbei zur Seilbahn. Sechsergondeln. Sie haben die lange Bank ganz f\u00fcr sich allein. Die Oma hebt den Arm, holt den B\u00fcgel herunter, beide stellen die Ski auf die Fu\u00dfraste.<br \/>\n\u00abLetzte Abfahrt\u00bb, sagt sie.<br \/>\nMax-Emanuel hat die Skibrille hochgeklappt und starrt auf ihre Ski.<br \/>\n\u00abSag mal, Oma\u00bb, sagt er z\u00f6gernd. \u00abSind das deine Ski?\u00bb<br \/>\n\u00abWas?\u00bb Die Oma schaut auf ihre Ski. \u00abKlar sind das meine Ski. Steht doch drauf: K2 Siehst du, K2, das kannst du doch schon lesen. Ein K und eine 2\u00bb<br \/>\n\u00abAber deine Skier waren heute Morgen blau.\u00bb<br \/>\n\u00abWirklich?\u00bb Die Oma hebt ein Bein ein wenig an. Tats\u00e4chlich, die Skier an ihren F\u00fc\u00dfen sind \u00fcberhaupt nicht blau.<br \/>\n\u00abDie sind wei\u00df\u00bb, sagt Max-Emanuel. \u00abGanz wei\u00df.\u00bb<br \/>\n\u00abBist du sicher, dass meine Ski blau waren?\u00bb<br \/>\nMax-Emanuel nickt. \u00abGanz sicher. Deine Ski waren blau.\u00bb<br \/>\n\u00abAber wo sollen sie denn sein?\u00bb<br \/>\n\u00abVor der H\u00fctte\u00bb, sagt Max-Emanuel. \u00abDu hast sie vertauscht.\u00bb<br \/>\nIhr steigt die R\u00f6te ins Gesicht vor Verlegenheit. Und auf einmal hat sie es ganz eilig. Wie langsam sich die Kabinenbahn nach oben bewegt. Sie rei\u00dft den B\u00fcgel hoch, ehe sie in den Ausstieg einfahren.<br \/>\n\u00abOma, das ist verboten\u00bb, sagt Max-Emanuel. \u00abDie Ampel ist rot.\u00bb<br \/>\n\u00abKomm schnell, Maxl\u00bb, Sie zieht ihn vom Sitz.<br \/>\n\u00abAua\u00bb, sagt Max-Emanuel. \u00abDu tust mir weh.\u00bb<br \/>\nDiesmal ist sie es, die wie eine Verr\u00fcckte lossaust.<br \/>\n\u00abWarte\u00bb, ruft Max-Emanuel.<br \/>\nIn der zweiten Kurve f\u00e4llt er hin. Mit dem Gesicht in den Schnee.<br \/>\n\u00abBl\u00f6de Oma\u00bb, sagt Max-Emanuel und rappelt sich hoch. Aber auch das kriegt die Oma nicht mit.<\/p>\n<p>Vor der H\u00fctte steht eine Gruppe von Leuten. Sie gestikulieren, schauen auf die in den Schnee gerammten Ski, sch\u00fctteln die K\u00f6pfe.<br \/>\n\u00abUnversch\u00e4mtheit\u00bb, h\u00f6rt man die w\u00fctende Stimme einer j\u00fcngeren Frau. \u00abNagelneue Ski. Geklaut. Einfach geklaut. Und dann diese alten M\u00f6hren hier.\u00bb Sie st\u00f6\u00dft mit den Skischuhen gegen ein Paar blaue Ski, die hochaufgerichtet im Schnee stecken.<br \/>\nDie Oma bem\u00fcht sich um einen eleganten Schwung zum Hang. Kommt zum Stehen. Aber da ist auch schon Max-Emanuel in einer wei\u00dfen Schneewolke.<br \/>\n\u00abIch bin gefallen\u00bb, schimpft er. \u00abUnd du hast nicht auf mich gewartet. Du bist gemein!\u00bb<br \/>\nEr schleudert die Skier von den F\u00fc\u00dfen und stapft w\u00fctend in Richtung H\u00fctte.<br \/>\nDie Oma sieht sich verlegen um. Steigt aus den Skiern.<br \/>\n\u00abDas sind doch meine!\u00bb, sagt die junge Frau. \u00abWas machen Sie mit meinen Skiern?\u00bb<br \/>\n\u00abEntschuldigung\u00bb, sagt die Oma. \u00abEs tut mir leid, aber ich habe sie in der Eile verwechselt. Ich musste so schnell hinter meinem Enkel her.\u00bb<br \/>\n\u00abStimmt gar nicht\u00bb, Max-Emanuel dreht sich um. \u00bbMeine Oma ist bestimmt farbenblind. Sie hat gar nicht gemerkt, dass sie die falschen Ski anhat. Das habe ich erst im Lift gesehen.\u00bb<br \/>\n\u00abPrima, dass wenigstens du so gut aufgepasst hast\u00bb, sagt die Frau und die Umstehenden lachen. Gott sei Dank, sie lachen wirklich.<br \/>\n\u00abEs ist mir sehr peinlich\u00bb, sagt die Oma. \u00abDarf ich Sie alle zum Bier einladen?\u00bb<br \/>\n\u00abAu ja\u00bb, sagt Max-Emanuel. \u00abUnd ich will eine Cola. Und wenn wir runterfahren, passe ich auf, dass Oma die blauen Ski anzieht.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abYipiih\u00bb, br\u00fcllt Max-Emanuel, st\u00f6\u00dft sich ab, geht tief in die Knie, klemmt die Skist\u00f6cker unter die Arme und rast den Hang hinunter. \u00abHalt, nicht so schnell\u00bb, schreit die Oma und steigt in ihre Ski. Klick und nichts wie hinterher. 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