{"id":1315,"date":"2017-01-03T18:53:55","date_gmt":"2017-01-03T16:53:55","guid":{"rendered":"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/?p=1315"},"modified":"2017-11-27T18:47:44","modified_gmt":"2017-11-27T16:47:44","slug":"renovierungsarbeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anne-achner.de\/blog\/renovierungsarbeiten\/","title":{"rendered":"Renovierungsarbeiten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/b_008.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1531\" src=\"http:\/\/anne-achner.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/b_008-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00bbWir haben Arbeitsteilung\u00ab, hatte Kai-Uwe gesagt, als wir meine alte Schulfreundin Sibylle zum ersten Mai in Velbert besuchten. \u00bbIch k\u00fcmmere mich um die praktischen Dinge wie kochen, putzen, T\u00fcre reparieren. Bille ist f\u00fcrs Denken zust\u00e4ndig.\u00ab Verunsichert guckte ich in sein Gesicht. Kein s\u00fcffisantes L\u00e4cheln, kein Sarkasmus. Der Mann meinte, was er sagte. Die Stimme weich, voll Hochachtung.<!--more--><br \/>\nDer Besuch ist \u00fcber f\u00fcnf Jahre her. Kai-Uwe ist tot. Autounfall. Erst wollte Sibylle das Fachwerkhaus verkaufen, f\u00fchlte sich von dem alten Geb\u00e4ude mit dem gro\u00dfen Garten \u00fcberfordert. Die angebotenen Eigentumswohnungen fand sie jedoch \u00fcberteuert und wenig originell. Als Fr\u00fchrentnerin hatte sie Zeit, sie w\u00fcrde das Haus renovieren lassen. Meinen Mann Peter bat sie, einen Blick auf die Renovierungsarbeiten zu werfen und sie beim Bau der neuen Terrasse zu beraten.<br \/>\nDer Septembermorgen war sonnig und warm. Im Vorgarten waren die B\u00fcsche ausgewachsen, es lag viel totes Holz herum, das Gras wuchs kniehoch, ein ausrangiertes Bettgestell streckte seine Rostbeine in die Luft.<br \/>\n\u00bbGr\u00fcne H\u00f6lle\u00ab, fl\u00fcsterte Peter.<br \/>\n\u00bbSieht schrecklich aus\u00ab, sagte Sibylle und l\u00e4chelte ihr hilfloses M\u00e4dchenl\u00e4cheln. \u00bbAber ich bekomme das Zeug einfach nicht in meinen Mini.\u00ab<br \/>\n\u00bbGibt es hier keine Container?\u00ab Halt die Klappe, du bl\u00f6de Besserwisserin, schalt ich mich. Sibylle ist Wissenschaftlerin, die ist nicht so praktisch wie du.<br \/>\n&#8222;Hast du keinen G\u00e4rtner?\u00ab, fragte Peter.<br \/>\n\u00bbDer hat so wenig Zeit. Kommt immer nur kurz vorbei, schneidet \u00c4ste ab und ist wieder weg. Nun liegt alles rum.\u00ab<br \/>\n\u00bbHmmm\u00ab, sagte Peter.<br \/>\nWir gingen um das Haus herum, um uns die geplante Terrasse anzusehen. Ein kleines, rechteckiges St\u00fcck Rasen direkt vor der Terrassent\u00fcr war ausgekoffert und d\u00fcnn mit Sand bedeckt.<br \/>\n\u00bbWas meinst du?\u00ab Sibylle sah Peter an. \u00bbHmmm\u00ab, sagte er wieder, und schritt die Seiten ab. \u00bbViel zu klein. Au\u00dferdem hast du die T\u00fcr direkt im R\u00fccken.\u00ab<br \/>\n\u00bbNicht Feng-Shui-m\u00e4\u00dfig\u00ab, sagte ich. Niemand reagierte.<br \/>\n\u00bbZieh das Rechteck bis zur Hauskante, dort stehen die B\u00fcsche und geben Schatten.\u00ab<br \/>\nIch schaute verunsichert zu Sibylle. Das war Einmischung in fremde Angelegenheiten. Aber sie strahlte Peter an und strich mit einer anmutigen Bewegung ihre schwarzen &#8211; schwarz gef\u00e4rbten? &#8211; Locken hinter die Ohren.<br \/>\n\u00bbUnd wie soll ich das machen?\u00ab<br \/>\nWar das ihr Ernst? Sie musste gar nichts machen. So was lie\u00df man machen. Ich zerrte einen vergammelten Stuhl aus dem Geb\u00fcsch und hielt mein Gesicht in die Sonne.<br \/>\n\u00bbHol mir mal bitte ein St\u00fcck Schnur, Bille!\u00ab<br \/>\nNanu, mein Mann war aber schnell mit Kosenamen.<br \/>\nPeter nahm vier herumliegende Metallst\u00e4be vom Rasen, rammte sie in den Boden. Sibylle verschwand im Haus.<br \/>\n\u00bbSchnur hat sie wahrscheinlich keine\u00ab, sagte ich. Aber sie hatte. Peter verband das rote Dekoband mit den St\u00e4ben. Die Terrasse hatte an Gr\u00f6\u00dfe gewonnen.<br \/>\n\u00bbWirklich viel besser\u00ab, sagte Sibylle. \u00bbEine gute Idee. Danke!\u00ab<br \/>\n\u00bbGern geschehen!\u00ab, sagte Peter.<br \/>\nDie Terrassenbauer kamen von der Mittagspause zur\u00fcck. Der deutsche Meister mit seinem Gehilfen Adam. Ein Pole oder Russe, dem Akzent nach zu urteilen.<br \/>\n\u00bbWas ist hier los?\u00ab Des Meisters Blick war kritisch, der Ton barsch.<br \/>\n\u00bbIch m\u00f6chte eine gr\u00f6\u00dfere Terrasse\u00ab, sagte Sibylle und wedelte entschuldigend mit den H\u00e4nden.<br \/>\n\u00bbWarum das auf einmal?\u00ab, sagte der. \u00bbDer Auftrag lautet anders. Ich erf\u00fclle den Auftrag. Mehr nicht.\u00ab<br \/>\n\u00bbAber man kann seine Meinung \u00e4ndern\u00ab, mischte sich Peter ein. \u00bbDie<br \/>\nTerrasse soll verbreitert werden.\u00ab<br \/>\n\u00bbDann machen Sie sie doch breiter\u00ab, sagte der Mann und schob Peter die Schaufel zu. Jetzt haut ihm Peter die Schaufel \u00fcber den Kopf, dachte ich.<br \/>\nDoch Peter sagte ganz locker: \u00bbWer zahlt, bestimmt. Das wissen Sie. Und wenn Sie den Auftrag nicht wollen, gehen Sie einfach nach Hause.\u00ab<br \/>\nDer Terrassenbauer z\u00f6gerte. \u00bbNa gut\u00ab, sagte er. \u00bbAber den Sand laden wir ab. Der ist bestellt.\u00ab<br \/>\nEr bellte Befehle, verschwand in seinem Kastenwagen, und Sklave Adam karrte eine Ladung Sand nach der andern heran und kippte sie auf den Rasen.<br \/>\n\u00bbDas ist doch viel zu viel\u00ab, sagte ich zu Peter. Sibylle war ins Haus gegangen, um Kaffee zu kochen. Endlich. Hoffentlich gab es auch ein St\u00fcck Kuchen. Musste ja nicht selbstgebacken sein. Peter zuckte die Schultern und schleppte einen rostigen Tisch herbei. Mit dem \u00c4rmel wischte er den Staub ab.<br \/>\n\u00bbDeine Freundin soll hier nach Strich und Faden abgezogen werden. Ich denke, wir m\u00fcssen ihr helfen.\u00ab<br \/>\nIch nickte. Was ich nicht checkte, nicht wir, sondern Peter f\u00fchlte sich aufgerufen zu helfen. Und er half. Jede freie Minute fuhr er \u00fcber den verstopften Ruhrschnellweg von Dortmund \u00fcber Essen nach Velbert.<br \/>\nPeter und Sibylle wohnen nun in dem renovierten Fachwerkhaus, umgeben von einem gepflegten Garten mit einer gro\u00dfen Terrasse.<br \/>\nIch \u00fcberlege, ob ich unser Haus verkaufen und eine kleine Wohnung mieten soll. Ich bin mit Haus und Grundst\u00fcck total \u00fcberfordert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbWir haben Arbeitsteilung\u00ab, hatte Kai-Uwe gesagt, als wir meine alte Schulfreundin Sibylle zum ersten Mai in Velbert besuchten. \u00bbIch k\u00fcmmere mich um die praktischen Dinge wie kochen, putzen, T\u00fcre reparieren. Bille ist f\u00fcrs Denken zust\u00e4ndig.\u00ab Verunsichert guckte ich in sein Gesicht. Kein s\u00fcffisantes L\u00e4cheln, kein Sarkasmus. Der Mann meinte, was er sagte. 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